Kapitalflussrechnung erklärt: Operativer, investiver und Finanzierungs-Cashflow. So nutzen KMU das Cashflow-Statement als Steuerungsinstrument.
Die Kapitalflussrechnung, auf Englisch "Cash Flow Statement", ist das dritte Element des vollständigen Jahresabschlusses neben Bilanz und GuV. Für große Kapitalgesellschaften ist sie Pflicht. Für KMU ist sie optional, aber für alle, die ihre Finanzen wirklich verstehen wollen, unverzichtbar. Mehr Details: DRSC-Standards. Rechtsgrundlage: § 297 HGB (Konzernabschluss / Kapitalflussrechnung).
Warum? Weil die GuV den Gewinn zeigt und die Bilanz das Vermögen, aber keine der beiden Aufstellungen zeigt, was eigentlich passiert ist: Woher kam das Geld? Wofür wurde es ausgegeben? Wie hat sich der Kassenbestand verändert? Das beantwortet die Kapitalflussrechnung.
Die drei Bereiche der Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung gliedert sich in drei Bereiche, die zusammen erklären, wie sich der Zahlungsmittelbestand eines Unternehmens verändert hat:
| Bereich | Was er zeigt | Positive = ? |
|---|---|---|
| Operativer Cashflow | Cashflow aus dem laufenden Geschäftsbetrieb | Unternehmen verdient durch Kerngeschäft echtes Geld |
| Investitions-Cashflow | Cashflow aus Investitionen in Anlage- und Umlaufvermögen | Unternehmen verkauft Anlagegüter (meist Zeichen von Desinvestition) |
| Finanzierungs-Cashflow | Cashflow aus Kapitalaufnahme und -rückführung | Neue Kredite, Kapitalerhöhung (kurzfristig positiv, langfristig zu beobachten) |
Die Summe der drei Bereiche ergibt die Veränderung des Zahlungsmittelbestands. Anfangsbestand plus Summe = Endbestand.
Operativer Cashflow: Das Herzstück
Der operative Cashflow zeigt, ob das Kerngeschäft tatsächlich Geld einbringt, und zwar echtes Geld, das auf dem Konto ankommt, nicht nur buchhalterischen Gewinn. Das ist der kritischste der drei Bereiche.
Bestandteile des operativen Cashflows:
- Jahresüberschuss (Ausgangspunkt bei indirekter Methode)
- + Abschreibungen (nicht zahlungswirksam, werden wieder hinzugerechnet)
- ± Veränderung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- ± Veränderung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- ± Veränderung der Vorräte
- ± Sonstige zahlungswirksame Veränderungen im Umlaufvermögen
Faustregel: Ein gesundes Unternehmen hat einen positiven operativen Cashflow. Wachstumsunternehmen können kurzfristig negativen operativen Cashflow haben (Vorinvestition in Wachstum), aber dauerhaft negativ bedeutet: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht.
Investitions-Cashflow
Der Investitions-Cashflow zeigt, wofür das Unternehmen in Anlagegüter ausgegeben oder durch deren Verkauf eingenommen hat:
- Auszahlungen für den Erwerb von Sachanlagen (Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge)
- Auszahlungen für immaterielle Vermögenswerte (Software, Patente)
- Einzahlungen aus Anlagenverkäufen
- Auszahlungen für Finanzanlagen (Beteiligungen, Wertpapiere)
Ein wachsendes Unternehmen hat typischerweise einen negativen Investitions-Cashflow, es investiert mehr als es desinvestiert. Das ist nicht schlimm, solange der operative Cashflow das finanziert.
Finanzierungs-Cashflow
Der Finanzierungs-Cashflow zeigt, wie das Unternehmen mit Eigen- und Fremdkapital umgegangen ist:
- Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen
- Auszahlungen für Kapitalherabsetzungen oder Aktienrückkäufe
- Einzahlungen aus aufgenommenen Krediten und Darlehen
- Auszahlungen für Tilgungen
- Dividendenzahlungen
Direkte vs. indirekte Methode
Die Kapitalflussrechnung kann auf zwei Arten erstellt werden:
Direkte Methode
Alle zahlungswirksamen Einzahlungen und Auszahlungen werden direkt erfasst und gelistet. Liefert die transparenteste Darstellung, ist aber aufwändig zu erstellen, da die Buchhaltungsdaten entsprechend aufbereitet werden müssen.
Indirekte Methode
Ausgangspunkt ist der Jahresüberschuss aus der GuV. Dieser wird um nicht zahlungswirksame Posten (Abschreibungen, Rückstellungsveränderungen) und Veränderungen des Working Capitals bereinigt. In der Praxis die häufiger verwendete Methode, weil sie leichter aus den vorhandenen Buchführungsdaten ableitbar ist.
Kapitalflussrechnung für KMU in der Praxis
Kleine GmbH sind nicht zur Erstellung einer Kapitalflussrechnung verpflichtet. Dennoch ist es sinnvoll, eine vereinfachte Version mindestens jährlich zu erstellen. Das geht so:
- Jahresüberschuss aus der GuV nehmen
- Abschreibungen hinzuaddieren
- Veränderung der Forderungen aus der Bilanz ablesen und adjustieren
- Veränderung der Verbindlichkeiten aus der Bilanz ablesen und adjustieren
- Investitionen aus dem Anlagenspiegel ablesen
- Kreditaufnahmen und -rückzahlungen aus der Bankbuchhaltung
Das Ergebnis, Veränderung des Kassenbestands, sollte mit dem tatsächlichen Kontostand übereinstimmen. Wenn nicht, gibt es einen Buchungsfehler.
Was gute und schlechte Cashflow-Muster bedeuten
| Operativer CF | Investititions-CF | Finanzierungs-CF | Typische Situation |
|---|---|---|---|
| + | – | 0 | Reifes, profitables Unternehmen. Investiert aus eigenem Cashflow. Sehr gesund. |
| + | – | – | Profitables Unternehmen, das tilgt und trotzdem investiert. Gut. |
| – | – | + | Startup / Wachstumsphase. Verbrennt Geld, finanziert durch externe Kapital. Zeitlich begrenzt tragbar. |
| – | + | + | Unternehmen verkauft Anlagegüter und nimmt Kredit auf. Warnsignal, Substanzverzehr. |
| – | – | – | Akutes Liquiditätsproblem. Handlungsbedarf sofort. |
Fazit
Die Kapitalflussrechnung ist kein Pflichtdokument für kleine KMU, aber sie ist das ehrlichste Bild der Finanzsituation, das die Buchhaltung liefern kann. Wer jährlich eine Kapitalflussrechnung erstellt (oder erstellen lässt), versteht sein Unternehmen besser als 90 % der KMU-Unternehmer. Das zahlt sich aus, spätestens beim Bankgespräch.
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